Mittwoch, 5. Februar 2014

Sound of Silence

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Das Konzert "Jan Plewka sing Simon & Garfunkel" am 30.Januar im Apollo war noch ein Geburtstagsgeschenk aus dem vergangenen Jahr. Weil ich Simon & Garfunkel immer noch und immer wieder gerne höre - besonders in melancholischer Stimmung - hatte ich mir diese Karte zum Geburtstag gewünscht. Gleichzeitig habe ich sie selbst verschenkt und so bin ich mit dem Mann meiner Freundin dort gewesen. Ich hatte keine Ahnung was mich erwartet. Ich hatte lediglich mit einem Coverkonzert gerechnet. Der Name Jan Plewka hat mir bis dahin nichts gesagt. Das ist jetzt definitiv anders. Denn dieser großartige Künstler hat mich begeistert. Er hat die Lieder von S&G nicht nur einfach nachgesungen, sondern neu interpretiert, dargestellt, verkörpert und lebendig werden lassen.

Das Publikum im Apollo bestand aus drei Gruppen: diejenigen, die ein Apollo-Vokalabo haben; die anderen, die wegen Jan Plewka gekommen waren und dann solche wie ich, die S&G hören wollten. Für erstere wurden allen Ernstes vor Beginn im Saal Ohropax verteilt! Das ist kein Witz! Man geht auf ein S&G Konzert und dem Publikum werden kostenlos Ohrstöpsel angeboten. Steve und ich fragten uns, was als nächstes kommt? Tena-Pants? Unbelieveable! Naja, als dann das Konzert endlich anfangen konnte und die fünf Musiker die Bühne betreten hatten, nahm das Fremdschämen leider noch kein Ende: Denn alle fünf zündeten sich gleichzeitig eine Zigarette an und rauchten in aller Seelenruhe auf der Bühne. Das aber kann man dem Siegerländer Publikum nicht zumuten. Da muss man doch mal laut was dagegen sagen. Das geht doch gar nicht - Kunst hin oder her. Wir fragten uns, ob wir eventuell im falschen Film gelandet waren. Vielleicht bei "Die versteckte Kamera"? Aber nein, nur unter Einheimischen. Naja, als das Konzert dann sozusagen "richtig" anfing, es also etwas lauter wurde, hat immerhin niemand demonstrativ den Saal verlassen. Abgesehen von diesem unfreiwilligen Vorspiel war es ein ausgesprochen herrlicher Abend.

Es war kein Konzert im landläufigen Sinn, sondern ein Musiktheaterabend. Jan Plewka, Frontmann von SELIG und Schauspieler, hat die Lieder, bzw. die Aussage der Lieder szenisch dargestellt. Es war also keineswegs kitschig, sondern anspruchsvoll, ironisch und durchaus immer noch aktuell gesellschaftskritisch. Die 60er Jahre wurden optisch auf die Bühne geholt: Beleuchtung, Outfit der Musiker und immer wieder eine kleine Lesung machten den Abend als Gesamtkunstwerk perfekt. Ich würde es mir sofort noch mal ansehen - diesmal in der Hoffnung, das das Publikum den "Klang der Stille" aushält und weder ein Handy klingelt, noch einige hoffnungslos resistente Kulturbanausen versuchen mitzusingen.

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